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18.12.2001; 17:33 Uhr
Kabelnetze: Auch Informationswirtschaft macht sich für MHP stark
BITKOM warnt vor Marktzersplitterung - "Marktpotenzial schnell und umfassend nutzen"

Nach den Rundfunksendern und den Landesmedienanstalten hat sich nun auch die deutsche Informations- und Kommunikationswirtschaft für den Einsatz des digitalen Fernsehstandards Multimedia Home Platform (MHP) bei der Umrüstung der deutschen Kabelnetze ausgesprochen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM) forderte am 17.12.2001 in München die "umfassende und schnellstmögliche Einführung" der offenen Schnittstelle in Deutschland. Nur so könnten beim Aufbau des interaktiven Fernsehens eine Marktzersplitterung verhindert und die Wachstumsmöglichkeiten des Bereichs schnell und umfassend ausgenutzt werden. Im Zusammenhang mit den Aussichten des digitalen Fernsehens sprach BITKOM von einer Neuerung, die nur mit der Einführung des digitalen Mobilfunks vor zehn Jahren vergleichbar sei. Besorgt zeigte sich der Verband darüber, dass sich bisher nicht alle Marktteilnehmer zur Anwendung des Standards bekannt hätten. Angesprochen ist damit das US-amerikanische Medienunternehmen Liberty Media, dass Anfang September 2001 von der Deutschen Telekom für rund elf Milliarden Mark sechs regionalen Kabelnetzen mit mehr als zehn Millionen angeschlossenen Haushalten übernommen hat. Liberty Media lehnt den Einsatz von MHP bisher aus Kostengründen ab.

ARD, ZDF, RTL, die Kirchgruppe und die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) haben sich Mitte September 2001 auf MHP als einheitlichen, anbieterunabhängigen Standard für den Aufbau des digitalen Fernsehens in Deutschland geeinigt. Der Einsatz des MHP-Standards wäre Voraussetzung dafür, dass in Zukunft außer den Netzbetreibern auch andere Unternehmen die Kabelnetze für neue digitale Dienste ohne Einschränkungen nutzen könnten. Vor allem die Landesmedienanstalten drängen Liberty Media deshalb seit längerem darauf, beim Ausbau der Kabelnetze auf MHP zu setzen. Die damit verbundenen Mehrkosten sind nach Auffassung der Medienwächter der Preis, den man für die Marktoffenheit der Kabelnetze und die Vielfalt des Programmangebotes zahlen müsse. Das US-Unternehmen hat die Forderungen zurückgewiesen und seinerseits die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die privaten Rundfunkunternehmen aufgefordert, den durch die Verwendung von MHP entstehenden Mehraufwand in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Mark zu übernehmen. Liberty Media warnt, der MHP-Standard würde die für neue digitale Dienste erforderlichen Dekoder um 60 bis 80 Euro (etwa 120 bis 160 Mark) pro Stück verteuern. Die deutschen Rundfunksender halten diese Zahlen für übertrieben.

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[IUM/jz]

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