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04.10.2005; 16:19 Uhr
Angebliche Tauschbörsennutzerin geht gerichtlich gegen US-Musikindustrie vor
Tanya Andersen wirft RIAA einen erpresserischen Betrugsversuch vor

Tanya Andersen, eine Betroffene der zahlreichen Klagewellen der Recording Industry Association of America (RIAA) gegen angebliche Tauschbörsennutzer, wehrt sich gerichtlich gegen das Vorgehen der US-Musikwirtschaft. Die US-Amerikanerin aus Oregon hat Klage gegen die RIAA unter anderem wegen Betrugs, Verletzung der Privatsphäre, Rechtsmissbrauchs, elektronischen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen den Computer Fraud and Abuse Act erhoben. Dem auf »blogspot.com« unter dem Titel »Recording Industry vs The People« eingerichteten Weblog zufolge begründet die Klägerin ihre Vorwürfe damit, dass die RIAA das Unternehmen MediaSentry damit beauftragt habe, in fremde, private Rechner einzudringen und Daten zu stehlen.

Dem folgen Klagen gegen Unbekannt. Einziges Identifikationsmerkmal ist die in der Klageschrift angegebene persönliche IP-Nummer des Nutzers. Diesen so genannten »John Doe«-Prozessen schließen sich Klagen gegen die Internet Provider auf Herausgabe der Nutzerdaten an. Diese werden nach Darstellung der Klägerin an eine Schlichtungsstelle weitergericht, die sich um die Durchsetzung der Ansprüche der RIAA kümmert und von den Betroffenen hohe Schadensersatzsummen verlange.

Die Klägerin selbst soll nun mehrere Hunderttausend Dollar bezahlen, da sie »nachweislich« über 1.000 Musikstücke illegal heruntergeladen habe. Dem hat sich Tanya Andersen mit der Behauptung entgegengesetzt, sie habe noch nie ein Musikstück heruntergeladen. Ein Angestellter der Schiedsstelle habe ihr zwar versichert, dass er ihr glaube. Die Musikindustrie werde den Fall aber nicht auf sich beruhen lassen, um anderen Beklagten kein Beispiel zu liefern. Nun sieht sich Frau Andersen als ein Opfer der Öffentlichkeitskampagne der Musikindustrie, die dafür das US-Rechtssystem missbrauche. Da sie behindert sei und über keine gute Gesundheit verfüge, sei sie von den gegenstandlosen Behauptungen auch gesundheitlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie habe in Folge unter erheblichen körperlichen und seelischen Stresserscheinungen leiden müssen.

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