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29.08.2007; 10:48 Uhr
DJV fordert Ende von »Regierungsschleichwerbung«
Bundesfamilienministerium ließ Beiträge über Erziehungsgeld produzieren, deren Verwendung der Presse überlassen blieb

In Reaktion auf einen Bericht des Magazins »Report Mainz« vom 27.8.2007 fordert der Deutsche Journalisten-Verein (DJV) von der Bundesregierung ein Ende jeglicher Versuche von Schleichwerbung. »Report Mainz« hatte über PR-Aktivitäten des Bundesfamilienministeriums berichtet, dessen Berliner Werbeagentur »A&B One« Hörfunksendern und Zeitungen sendefähige bzw. druckfertige und mit O-Tönen bzw. Zitaten von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen angereicherte Beiträge über das Erziehungsgeld geliefert hatte. Bereits Mitte August war bekannt geworden, dass die für das Bundeswirtschaftsministerium tätige Werbeagentur Kopplungsgeschäfte zwischen redaktioneller Berichterstattung und Anzeigenaufträgen betrieben hatte.

»Das ist Schleichwerbung in Reinform und hat nichts mit kritischem Journalismus zu tun«, monierte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Auch der Sprecher der Gemeinsamen Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz der Landesmedienanstalten, Peter Widlok, wertete dies als unzulässige - politische - Schleichwerbung. Das Ministerium hingegen rechtfertigte sein Vorgehen laut der »Berliner Zeitung« damit, die Bürger über neue Gesetze aufklären zu müssen. Dafür würde die Presse auch eine Vielzahl an Materialien erhalten, darunter auch redaktionelle Print- oder Hörfunkbeiträge. »Ob und wie die Redaktionen von diesen Angeboten im einzelnen Gebrauch machen, liegt ausschließlich in der Hoheit der Redaktionen selbst«, zitiert »Report Mainz« das Ministerium. »Newsroom.de« hingegen weist darauf hin, dass der Verlag Rommerskirchen, in dem der DJV sein Gewerkschaftsorgan »journalist« verlegt, exakt dieselbe Dienstleistung über Jahre hinweg angeboten habe wie die Werbeagentur »A&B One« - was vom DJV unbeanstandet blieb.

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