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12.04.2002; 13:39 Uhr
US-Abgeordnete wollen Verhandlungsposition der US-Dramatiker stärken
Gesetz soll Aushandlung kollektiver Vergütungsregelungen ermöglichen

In den USA sind Forderungen laut geworden, die Verhandlungsposition von Bühnenschriftstellern gegenüber ihren Auftraggebern zu stärken. Die beiden Senatoren Charles Schumer und Orrin Hatch stellten am 10.4.2002 in New York einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Der geplante Playwrights Licensing Relief Act soll es Verbänden von Bühnenschriftstellern und Komponisten ermöglichen, mit Bühnen und Theatern kollektive Vergütungsregelungen auszuhandeln. "Einzelne Bühnenschriftsteller müssen die Möglichkeit haben, sich zusammenzuschließen, um gemeinsam Verträge auszuhandeln", meinte Schumer. Er warnte, die schlechten Verhandlungsposition vieler Dramatiker würden schon jetzt dazu führen, dass viele gezwungen seien, in die Bereiche Film und Fernsehen zu wechseln. Vertreter der US-amerikanischen Bühnenwirtschaft zeigten sich gegenüber den Vorschlägen zurückhaltend. Der Vorsitzende der League of American Theaters and Producers, Jed Bernstein, warnte in einer ersten Stellungnahme, die wirtschaftlichen Situation der Theaterbranche sei ausgesprochen "empfindlich".

Falls das vorgeschlagene Gesetz in Kraft treten sollte, würde davon vor allem die Dramatists Guild of America profitieren, mit mehr als 6000 Bühnenschriftstellern einer der wichtigsten Berufsverbände der US-amerikanischen Bühnenwirtschaft. Die Gilde könnte versuchen, mit Bühnen und Theatern bessere Vertragsbedingungen für ihre Mitglieder auszuhandeln. Nach geltendem US-amerikanischem Kartellrecht sind ihr solche Verhandlungen versagt, weil die Gilde als Zusammenschluss von Selbständigen lediglich ein Berufsverband, aber keine Gewerkschaft ist. Letztere können auch in den USA für ihre Mitglieder Gesamtvereinbarungen in Form von Tarifverträgen aushandeln. Einen ganz ähnlichen Ansatz wie der in den USA vorgelegte Gesetzentwurf verfolgt auch die Reform des deutschen Urhebervertragsrechts, die der Bundestag im Januar 2002 verabschiedet hat. Auch das Gesetz zur Stärkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und ausübenden Künstlern setzt auf Vergütungsregeln, die gemeinsam von Urheber- und Verwertervereinigungen aufgestellt werden sollen. Von Verwerterseite war im Lauf des Gesetzgebungsverfahrens kritisiert worden, Deutschland begebe sich mit diesem Modell international "ins Abseits".

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