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02.02.2015; 20:25 Uhr
Suhrkamp Verlag geht gegen Münchner Baal-Inszenierung vor
»nicht-autorisierte Bearbeitung des Stückes von Bertolt Brecht«

Die aktuelle Inszenierung des Brecht-Stücks »Baal« am Münchner Residenztheater verstößt gegen das Urheberrecht. Dieser Ansicht ist der Suhrkamp Verlag, der am 30. Januar 2015 einen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Landgericht München gestellt hat, durch den weitere Aufführungen verhindert werden sollen. Wie das »Börsenblatt« am 2. Februar 2015 meldet, wird noch in dieser Woche mit einer Entscheidung gerechnet. 

In einer Stellungnahme des Verlags vom 15. Januar 2015 wird die Inszenierung von Regisseur Frank Castorf als eine »nicht-autorisierte Bearbeitung des Stückes von Bertolt Brecht« bezeichnet. Innerhalb der Produktion würden umfänglich Fremdtexte verwendet. Darüber hinaus werde die Werkeinheit aufgelöst. Diese Änderungen seien nicht durch den bestehenden Aufführungsvertrag gedeckt. Laut Verlag habe er trotz mehrerer Aufforderungen die endgültige Spielfassung nicht vom Theater zur Durchsicht erhalten. 

Martin Kusej, Intendant des Residenztheaters, zeigte sich in einem Statement vom 30. Januar 2015 »außerordentlich irritiert« und kündigte an, dafür zu kämpfen, dass »die Inszenierung weiterhin im Residenztheater gezeigt werden könne«. Castorf habe mit »Baal« erneut einen »ästhetisch herausfordernden und inhaltlich bezwingenden Theaterabend geschaffen«. Wie das »Börsenblatt« berichtet, inszeniert Castorf das Stück im Kontext des Vietnam-Kriegs, wobei die Chronologie des Stücks nicht erhalten bleibt. Kusej ist der Ansicht, der Suhrkamp Verlag habe sich einer derartigen Inszenierung bewusst sein müssen, da ihm die Arbeitsweise und Ästhetik des Regisseurs vertraut sei. Auch habe das Residenztheater bereits weit vor Probenbeginn damit begonnen, den Rechteinhabern des Brecht-Textes die literarische und szenische Erarbeitung der Inszenierung kenntlich zu machen. 

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