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04.02.2008; 10:02 Uhr
KJM prüft »Deutschland sucht den Superstar«
Kulturrat sieht »mediale Massenverrohung« erreicht

Nach dem Zusammenbruch eines 17-jährigen Kandidaten der RTL-Castingshow »Deutschland sucht den Superstar« (DSDS) gerät der Privatsender immer mehr in die Kritik. Wie »sat+kabel« am 2.2.2008 meldete, hatte der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Wolf-Dieter Ring, die Kandidaten-Auftritte als »hämische Inszenierung bezeichnet und angekündigt, ein Prüfverfahren einzuleiten, das sich laut »DWDL.de« vom 1.2.2008 nur gegen die Wiederholung der Sendung im Nachmittagsprogramm richtet.

RTL hat dann zunächst Gelegenheit, Stellung zu nehmen, zu dem Anfangsverdacht, dass »DSDS« geeignet sein könnte, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen, weil in der Sendung Menschen vorgeführt und gedemütigt würden. Am 19.2.2008 wird dann die KJM darüber befinden, ob ein solcher Verstoß gegen Jugendschutzbestimmungen vorliegt oder nicht. Bereits bei der Vorgängerstaffel von »DSDS« hatte es entsprechende Hinweise der KJM gegeben, worauf laut »»sat+kabel« nunmehr Wiederholungen im Tagesprogramm nur bearbeitet - durch Überblendungen einzelner Wörter mit Pieptönen - ausgestrahlt würden.

Der Deutsche Kulturrat erneuerte ebenfalls seine Kritik. Nach Ansicht des Geschäftsführers, Olaf Zimmermann, lasse man offensichtlich vorsätzlich musikalisch unbegabte junge Menschen ins offene Messer laufen, um sie in der Öffentlichkeit bloß stellen zu können, da ja alle »DSDS«-Kandidaten vor ihrem Vorsingen vor laufender Kamera in einem Vorcasting begutachtet würden. Christian Höppner, Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Kulturrates, sieht eine Form medialer Massenverrohung erreicht, die nicht ohne Folgen auf unsere Gesellschaft bleiben könne. »Die Lust an Erniedrigung und grenzenlosem Voyeurismus breitet sich in den unterschiedlichsten medialen Plattformen wie ein Krebsgeschwür aus, sagte Höppner, der zugleich Mitglied des Programmbeirates von RTL ist, am 3.2.2008. Er forderte die Geschäftsführerin des Privatsenders, Anke Schäferkord, auf, mit der Multiplikatorenrolle ihres Senders verantwortungsvoller umzugehen, zumal bei RTL auch gut gemachte Sendungen zu sehen seien.

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